„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“

05.05.2013 | Kategorie: Theologische Angebote, Ehemalige

Angedacht Text für den Monat Mai von Dekanin Ursula Schoen, aus dem Dekanat Frankfurt Mitte / Ost.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“

Dieser Vers aus Psalm 98 ist der Wochenspruch des Sonntags Kantate, der in diesem Jahr am letzten Aprilsonntag gefeiert wurde. Wenn ich ihn höre, summe ich innerlich gleich die Melodie von Rolf Schweizer von 1963 mit. Als Grundschülerin lernte ich dieses Lied im Kinderchor meiner Gemeinde Ende der sechziger Jahre kennen. Seitdem singen diese Psalmworte in mirSinget dem Herrn ein neues Lied, den er tut Wunder“ Für mich ist dieses strahlende Lied auf das engste mit der Erinnerung an unseren langjährigen Organisten verbunden. Unser Organist war ein begeisterter Anhänger des sogenannten „neuen geistlichen Liedgutes“, das in der damaligen Zeit entstand. Mit seinen Chören brachte er einen ungewohnten Schwung in die recht steifen Gemeindegottesdienste. Aus der sonntäglichen Liturgie stieg er gerne aus. Dann erklangen einige Jazztöne von der Orgel – überschäumend vor Lebenslust und Leidenschaft. 

 

Unser Organist war blind. Für seine Chorproben benutzte er Partituren in Blindschrift – aber eigentlich kannte er alle Lieder auswendig. Die Musik lebte einfach in ihm. Vor seinem „inneren“ Auge sah er alles, was seinen Augen äußerlich verborgen blieb. Vielleicht, so schien es mir, sah er die Welt, wie sie von Gott gedacht war und in den Lobpsalmen der Bibel besungen wird – nicht von Zerstörung und Tod gezeichnet, sondern von Schönheit und Leben durchdrungen. Ein Blinder hat mich durch das Singen für mein Leben sehend gemacht.

 

Glauben ohne Singen kann ich mir nicht vorstellen. Wenn ich singe, werden meine Lungen und meine Seele weit. Lebensatem kann in mich einströmen. Worte und Töne gewinnen Raum in mir. Das lateinische Wort für „Loben“ heißt „magni-ficare“ Man könnte es mit „groß machen“ oder „groß werden lassen“ übersetzen. Bei Singen lassen wir Gott in uns groß werden, geben seiner Schöpferkraft Raum und spüren seiner Botschaft nach. Durch das Singen wird das in uns Wirklichkeit, was wir über den Verstand nur schwer fassen können: Nämlich als Getragene durch’s Leben gehen zu können. Von Gott, dem Vater, gesehen zu werden, von Jesu Worten und Taten geleitet und Gottes Geist gestärkt zu sein.             

Ursula Schoen

 

« zurück
plugin.tt_news ERROR:
No code given