"Wie wunderbar ..." - Angedacht Text für den Mai von Pfarrer Thomas Volz aus F-Bonames

04.05.2018 |

Wie wunderbar! Ein Naherholungsgebiet für Andi und Gabi. Da werden die beiden vielleicht sitzen jetzt im Mai, an lauen Abenden, nach getaner Arbeit, wenn die Sonne sinkt und aus dem Wald von hinten langsam erfrischende Kühle Richtung Stadt zieht. Die Bank steht nämlich nur fünf Minuten entfernt von den nächsten Häusern, ein Neubaugebiet, der Blick kann weit streifen über eine langgestreckte Wiese hin zu großen Bäumen, hinter denen Andi und Gabi das eigene Häuschen mehr erahnen als sehen können.

Danke, Gott, wie wunderbar! Wir müssen nicht weit reisen, um dir nahe zu sein. Fünf Minuten aus dem Alltag heraus sind genug, um an den Ort zu kommen, wo wir Entspannung finden und zur Ruhe kommen können, über den Tag nachdenken, die Sorgen bedenken und dann ziehen lassen, die Hand des anderen behutsam ergreifen, sie ein bisschen drücken und spüren, wie das Herz hüpft vor Glück. Und dann sind wir auch dir nahe, nach diesen fünf Minuten und vielleicht für eine Viertelstunde, bis wir dann wieder gehen: ruhiger, gewisser, gestärkter und zuversichtlicher als wir gekommen sind. Danke, Gott, wie wunderbar! Du bist uns immer nah, das wissen wir mit dem Kopf und das sagt unser Glaube uns. Aber spüren und erleben tun wir das oft erst nach diesen fünf Minuten, die uns der Weg raus aus allem anderen führt. Die Tafel mit dem Vers aus dem Psalm gehört dazu: "Kommet her und sehet an die Werke Gottes, die so wunderbar sind!" Direkt daneben nämlich ist das Naherholungsgebiet für Andi und Gabi. Ein Spazierweg führt dahin und daran vorbei, den sicher viele gehen. Von links kommt man her von der Stadt, sieht zuerst die Tafel mit dem Psalmwort und dann lädt die Bank ein: Komm, setz dich einen Moment, probier' das mal aus! "Naherholungsgebiet für Andi und Gabi", aber auch für Marc und Lisa (die sich hier neulich versöhnt haben nach einem großen Streit), für Anne und Fynn (die sich Sorgen machen und fragen, ob das Geld für eine Familie reicht), für Florian und Dennis (sie wollen zusammenziehen, aber wer zu wem?), für Yvonne und Svenja (die ihre alten Eltern pflegen). Und auch für Petra, die schon lange allein lebt, für Leo, der hier noch niemand kennt und für Frau Wilms, die fast jeden Nachmittag mit ihrem Mann hier spazieren gegangen ist, seit er in Rente war, und die immer gedacht hat: Hier, neben der Tafel, da müsste eine Bank stehen, dann könnten wir uns ein paar Minuten ausruhen, der Manfred kriegt doch so schlecht Luft. Jetzt ist Manfred tot und diese neue Bank steht da und Frau Wilms setzt sich immer einen Moment hin, wenn sie vorbeikommt, und denkt an Manfred und spricht ein Gebet für ihn. Und dann fällt es ihr ganz leicht sich vorzustellen, dass auf der Bank steht: "Für Manfred und Edith".

Und Andi und Gabi, Marc und Lisa, Anne und Fynn, Florian und Dennis, Yvonne und Svenja, Petra, Leo, und all die anderen, die hier vorbeikommen und im Naherholungsgebiet auftanken – manchmal denken sie daran, dass das, was sie hier sehen und spüren Gottes Schöpfung ist, "voll Herrlichkeit und Schöne". Oft denken sie aber auch nicht daran, und sie glauben ja auch gar nicht alle an Gott. Aber das macht nichts. Gottes gute Kräfte, die er in seine Schöpfung gelegt hat, die wirken – verlass dich drauf!

Vielleicht hast du ja Lust, jemanden mitzunehmen, der dir lieb ist, in DEIN Naherholungsgebiet, wo du dich Gott nahe weißt und spürst, wie seine guten Kräfte wirken. Meistens auch ohne viele Worte.

Thomas Volz - Pfarrer in Bonames und Kalbach 

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