Vorstellung des 1. Vorsitzenden des EJW Hessen

26.08.2020 |

Dr. Jürgen Lehwalder hat in Frankfurt, Marburg und Jerusalem studiert. In Herborn geboren und aufgewachsen ist er ein Gewächs der EKHN. Nach dem Vikariat in der Frankfurter Nordweststadt war er 21 Jahre Gemeindepfarrer in Frankfurt-Bornheim. In diesen Jahren war er Lehrpfarrer und Mentor für Theologiestudierende, sowie Synodaler der EKHN-Synode. Seit 2016 ist er mit halbem Dienstauftrag an der Uni Mainz und mit der anderen Hälfte bei der Kirchlichen Studienbegleitung in Mainz.

Seit Juni 2019 ist er der 1. Vorsitzende des EJW Hessen als Nachfolger von Manfred Senft .
Manfred Senft führte mit ihm das nachfolgende Interview:

Wofür bist du dankbar?
Dankbar bin ich für Menschen, die an meiner Seite sind: Meine Frau, meine Kinder und dass ich immer Menschen begegnet bin, die es gut mit mir meinten, die mich an die Hand genommen und mich ermutigt haben.
Dankbar bin ich, weil ich Fügung in meinem Leben erfahren habe – ich habe nicht immer alles selbst entschieden und gewusst wie es weitergeht. Im Nachhinein entdecke ich immer wieder Spuren Gottes in meinem Leben.
Dankbar bin ich, dass Hoffnung in mir lebt. Es ist eine Hoffnung, die in den Psalmen vielfältig zum Ausdruck kommt: „Und ob ich schon wandelte im finsteren Tal, ich fürchte kein Unglück.“ (Ps. 23); „ … dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende in Ehren an." (Ps. 73).
Ich stelle mir vor, dass dies Worte sind, die Jesus schon vertraut waren.

Was erfüllt dich mit Hoffnung?
Dass die Hoffnung, von der ich geredet habe, von außen kommt, dass ich sie nicht machen muss, sondern geschenkt bekomme, jeden Tag aufs Neue. Von dieser Hoffnung zu erzählen war und ist immer (direkt oder indirekt) auch in meinen Predigten gegenwärtig. Oft kann ich von meiner Hoffnung besser singen als reden: "Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht."

Wann, wo und wie bist du das erste Mal mit dem EJW in Kontakt gekommen?
Im Februar 1996 – Robert Mehr war (und ist) im Kirchenvorstand der ehemaligen Johannisgemeinde in Bornheim. Er hat mir erklärt, welche Rolle das EJW in der Gemeinde spielt und dass ich nicht einfach eine Jugendfreizeit nach Israel-Palästina in der Gemeinde anbieten kann. Dieses Feld sei dem EJW vorbehalten. Das war ein steiler Einstieg für mich und das EJW in meinem Berufsleben. Das hat mich damals doch sehr an die Strukturen meiner alten Heimat erinnert.

Wie ging es danach weiter?
Robert Mehr hat mich ein Jahr (1997) später gefragt, ob ich die EJW "Jubiläumsreise" im Jahr 1998 nach Israel mit organisieren würde und auch dabei wäre. Es war eine sehr schöne Reise! Von 1999-2003 war ich dann im Vorstand des EJW Frankfurt - so schreibt der Herr auf krummen Wegen gerade Zahlen. Mit Robert verbindet mich bis heute eine gute Freundschaft.

Seit letztem Jahr Vorsitzender des EJW Hessen – was hat dich bewogen, diese Aufgabe zu übernehmen?
Als ich von Piet angefragt wurde, war ich gerade in Überlegungen, wo ich mich engagiere möchte. Denn meine Promotion war (endlich) im Juni 2018 abgeschlossen und ich hatte die Erholungsphase von diesem Mammutprojekt hinter mir. Einen besseren Zeitpunkt hätte Piet nicht wählen können. Dass ich mich für das EJW entschieden habe, hängt in erster Linie mit meinen guten Erfahrungen als Gemeindepfarrer mit dem EJW zusammen und vor allem mit so vielen großartigen jungen Menschen, die ich im Laufe der Jahre im EJW kennen und schätzen gelernt habe. Ich gebe sozusagen etwas zurück, von dem, was ich bekommen habe.

Wie sah dein Weg als Jugendlicher/junger Erwachsener aus? Warst du auch in Gruppen unterwegs?
Ich komme aus einer sehr engagierten CVJM Familie in der Nähe von Herborn, einer bis heute pietistisch geprägten Gegend der EKHN, das hat mich in vielerlei Hinsicht geprägt. Mein Großvater war Laienprediger und Leiter des Posaunenchores in unserem Dorf. Aus der Nummer kam ich nicht heraus: Mit sieben Jahren Jungscharkind, jedes Jahr in den Sommerferien auf einem mindesten einwöchigen Zeltlager, nach der Konfirmandenzeit Mitarbeiter (so hießen Teamer früher) in der CVJM Jungschar, Jugendchor und Posaunenchor waren dann meine musikalische Heimat. Leider durfte ich nicht Fußball spielen, weil sich das für einen frommen Jungen nicht gehört. Das hat mich als Kind furchtbar gewurmt. Aber nach der Konfirmation durfte ich dann doch spielen. So war ich bei den Fußballern der Fromme und bei den Frommen der Fußballer. Diese aus heutiger Sicht harmlose Form eines Grenzgängers zieht sich von da an bis heute durch mein Leben. Bis heute bin ich davon überzeugt, dass ich wesentlich besser Fußball spielen konnte als Trompete - aber ich spiele noch immer im Bornheimer Posaunenchor, während die Fußballschuhe nur geputzt im Schrank stehen.

Wenn du einem jungen Erwachsenen nur eine Empfehlung fürs Leben geben könntest, welche wäre es?
Ihm keine Empfehlung zu geben. Ich glaube, dass jede und jeder eine für sie oder ihn passende Empfehlung bräuchte. Ich maße mir nicht an, so etwas zu können. Gut und erfüllend für jeden Menschen finde ich, wenn er offen ist und bleibt für die Liebe Gottes in seinem Leben.

Hast du Familie? Was macht JL, wenn er nicht „im Auftrag des Herrn“ unterwegs ist?
Ja, ich bin mit Cornelia Lehwalder verheiratet. Wir haben zwei Kinder, Lisa und Lukas. Ich bin sehr gerne draußen zum Joggen, Spazierengehen am liebsten mit meiner Frau, ich lese sehr gerne und ärgere mich über schlechte Bücher. Und dann spiele ich Trompete, das intensiviere ich meist nur dann, wenn ein Konzert ansteht. Mehr schlecht als recht pflege ich Freundschaften, obwohl mir meine Freundinnen und Freunde sehr viel bedeuten! In den Bergen des Salzburger Landes bin ich gerne unterwegs und schaue, dass ich von Zeit zu Zeit meine heimlichen Liebe, Jerusalem, besuchen kann. Mein Lieblingsort in Frankfurt ist der Lohrberg.

Welche Serien schaust du? Musik? Bayern oder SGE?
Ich schaue keine Serien. Ich bin ein Feierabend-Fernseh-Zapper. Harry Potter Filme finde ich faszinierend (wir haben alle auf DVD) und ich mag gute Komödien ebenso wie Action Filme. Ich bin sehr gespannt auf den neuen James Bond. Mein Musikgeschmack ist sehr breit von J.S. Bach bis zu den Rolling Stones, aber auch Grönemeyer und Max Raabe höre ich gerne (oh je, jetzt wird spätestens klar, wie alt ich schon bin). Ich beurteile Musik danach, ob sie mich anrührt, dann ist die Stilrichtung weniger wichtig. Seit 1966 bin ich Fan von Borussia Dortmund, da gewann die Borussia 2:1 gegen Liverpool und wurden als erste deutsche Mannschaft Europapokalsieger.

Weshalb hast du Theologie studiert, bist Pfarrer geworden?
Je länger das zurückliegt, desto schwieriger ist die Frage zu beantworten bzw. desto länger dauert eine Erklärung. Was ich sagen kann ist, dass ich Theologie nicht studiert habe, um Pfarrer zu werden. Eigentlich war ein ganz starker Impuls, mit meiner "frommen Vergangenheit" abzurechnen. Galt doch in den Kreisen, in denen ich religiös geprägt wurde, das Theologiestudium als Abfall vom Glauben und ich habe mich gefragt, von welchem Glauben eigentlich jemand "abfallen" kann? So war das Studium auch eine Auflehnung gegen meine religiöse Herkunft. Dabei war es ein längerer Anlaufweg zum Studium. Nach der Mittleren Reife wollten meine Eltern, dass ich eine Ausbildung mache. So bin ich Kaufmann im Groß- und Außenhandel geworden und habe sogar in diesem Beruf gearbeitet bevor ich mit 19 Jahren noch einmal aufs Gymnasium gegangen bin. Mit 22 Jahren habe ich Abi gemacht und dann mit dem Studium begonnen. Um es abzukürzen: ich habe Frieden mit meiner religiösen Herkunft geschlossen - gewiss ganz anders als mein Großvater sich das gewünscht hätte. Ich bin sicher ein sehr kritischer Pfarrer und Theologe geworden und zugleich auf meine Art viel "frommer" als ich je dachte. Es gab noch einige Umwege auf dem Weg ins Pfarramt. Nun bin ich es seit 25 Jahren und finde es einen wunderbaren Beruf.

Wie sieht deine aktuelle Tätigkeit aus?
Nach über 20 Jahren im Gemeindepfarramt war für mich und meine Familie die Zeit gekommen, etwas Neues zu machen. Die Promotion zum Dr. theol. war ein wichtiger Meilenstein. Seit dreieinhalb Jahren bin ich Pfarrer für Kirchliche Studienbegleitung. Eine ganz neue, ganz spezielle Pfarrstelle. Zu meinen Aufgaben gehört einerseits, dass ich an der Mainzer Uni unterrichte und andererseits bin ich so etwas wie ein Personalberater für Studierende, die auf dem Weg in die zweite Ausbildungsphase, das Vikariat, sind. Ganz einfach formuliert: ich darf jungen Menschen mit auf den Weg geben, was wichtig ist, um eine gute Pfarrerin oder ein guter Pfarrer zu sein und ich darf weitergeben, dass der Pfarrberuf ein wunderbarer Beruf ist.

EJW-Leitbild – hast du ein eigenes / ein Lebensmotto?
Nein, ich habe kein Leitbild oder ein Lebensmotto. Ich kann aber so etwas wie ein Ziel formulieren: Ich möchte gerne, wenn ich im Ruhestand bin, auf die 70 zugehe, so ich es erlebe, zurückschauen können und sagen, dass es gut war und ich dankbar bin für mein Leben und zwar für mein ganzes Leben, die Höhen und die tiefen Täler, durch die ich gegangen bin. Ich möchte nie sagen: Ach, hätte ich doch dies oder jenes noch gemacht ... ich bin davon überzeugt, dass wir das Leben aus Gottes Hand nicht für den Konjunktiv des Lebens bekommen haben. Ein Bibelvers ist doch so etwas wie ein Motto. Im Buch Jesaja heißt es: "Ich bin der Herr dein Gott, der dich bei deiner rechten Hand hält und zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir."

Wenn du im Jahr 2040, also in 20 Jahren, den Vorsitz des EJW in andere Hände übergibst, wofür möchtest du dann Zeit haben?
Wenn ich regulär, so Gott will, zum 1. Juni 2029 in den Ruhestand gehe, werde ich kein Vorsitzender des EJW mehr sein - Stand heute. Mein Plan ist, mich im Main Apple Haus auf dem Lohrberg zu engagieren, Obstbäume zu schneiden und zu veredeln, einen Ort mit gestalten, an dem Menschen sich wohlfühlen und zur Ruhe kommen können. Aufhören Theologie zu treiben werde ich sicher auch nicht. Wer weiß, wohin ich noch geführt werde ...

Vielen Dank für das Gespräch.

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