Mission – Gottes Leidenschaft wieder entdecken - Angedacht Text im Monat April von David Prinz

13.04.2017 |

David Prinz, Leiter des Ausschusses Geistliche Angebote und Theologie, langjähriger Pfadfinderführer und Student der evangelischen Theologie in Marburg

Mission – Gottes Leidenschaft wieder entdecken

Kaum ein Wort spaltet die Christenheit wie dieses: Mission. Dieses Wort weckt je nach Hörer*in unterschiedliche Gefühle, die meist mit persönlichen Erfahrungen mit diesem Thema verbunden sind. Dabei kann das Wort an sich nichts dafür, dass es für so viel Missgunst sorgt. Vom lateinischen missio abgeleitet bedeutet Mission erstmal schlicht Sendung oder Auftrag. In christlichem Zusammenhang also: Gottes Auftrag für uns als ekklesia, als Kirche Jesu Christi. Seine inhaltliche Füllung enthält der Begriff selbst zunächst einmal nicht, sie bleibt also vorerst offen. Es scheint mir also ratsam, die Gefühle, die dieser Begriff in mir hervorruft, erstmal außer Acht zu lassen und mich um eine inhaltliche Bestimmung zu bemühen. Denn: Dass Gott seine Kirche gebrauchen will, ist, so denke ich, kaum umstritten.

Eine Kirche auf der Suche nach ihrer Bestimmung

Unsere Kirche tut sich derzeit erstaunlich schwer damit, diesen Auftrag Gottes zu konkretisieren. Sie hat den gesellschaftlichen Stellenwert, den sie mal hatte, verloren und scheint sich an ihre neue Rolle noch nicht so recht gewöhnt zu haben. Zumindest ist kein klares Profil erkennbar, welches notwendig ist, um von der Gesellschaft wieder wahrgenommen zu werden. Gerade deshalb ist es wichtig, sich auf den göttlichen Auftrag unserer Kirche zurückzubesinnen. Denn aus einer klaren Mission ergibt sich das Profil.

Ende März hat in Berlin ein Kongress stattgefunden, der genau diese Frage zum Thema hatte: Der missionarische Gemeindekongress Dynamissio. Der Kongress wurde von einer Vielzahl von evangelischen Kirchen und Gemeinden getragen, in einer Breite, die es so wahrscheinlich noch nicht gegeben hat. Ein Schritt in Richtung überkonfessionelle Zusammenarbeit? Eine Besinnung auf unseren gemeinsamen Grund in Jesus Christus? Es bleibt zu hoffen.

Auch das Rednerfeld des Kongresses war breit aufgestellt. Neben dem Ratspräsidenten der EKD Heinrich Bedford-Strohm haben u.a. der Theologieprofessor Michael Herbst und der baptistische Pastor Heinrich Christian Rust und zu den ca. 2500 Teilnehmenden gesprochen. Mit der Costa Ricanerin Ruth Padilla de Borst, die in leitender Funktion bei Worldvision tätig ist und dem Bischof der anglikanischen Kirche Steven Croft haben auch internationale Gäste den Kongress mit ihren Impulsen bereichert.

Das Ringen um die inhaltliche Ausrichtung dieses Kongresses war spürbar und wurde vom letzten Sprecher Michael Diener nochmal verdeutlicht. Ich wünsche mir, dass das Nachdenken über Gottes Auftrag an uns in unserer Kirche, aber auch übergreifend über die christlichen Konfession hinweg, fortgeführt wird und eine noch breitere Masse von Christen sich am Diskurs beteiligen.

Gottes Leidenschaft in Wort und Tat widerspiegeln

Der Titel dieses Textes ist der aktuellen Ausgabe des kirchlichen Ideenmagazins 3E entnommen. Er beschreibt für mich sehr konkret, was ich für unseren Auftrag als Christen in dieser Welt halte. Auch Heinrich Bedford-Strohm hat in seiner Bibelarbeit zu 2. Korinther 5,17-21 auf dem Kongress passende Worte gewählt. Ein Satz davon ist mir persönlich in diesem Zusammenhang sehr wichtig: Die Geschichte Jesu ist eine einzige große Versöhnungsgeschichte. Gott ist voll leidenschaftlicher Liebe und Hingabe für diese Welt. Diese Leidenschaft spiegelt sich in der großen Versöhnungsgeschichte, von der uns die Bibel erzählt, wider. Gott hat die Welt in Christus mit sich versöhnt.

Paulus führt seine Gedanken in der angegebenen Bibelstelle weiter aus: „So sind wir nun Botschafter an Christi statt.“ Wir sind von Gott in diese Welt gesandt, um Gottes Botschaft von der Versöhnung durch Wort und Tat in die Welt zu tragen. Das ist der Auftrag unserer Kirche und als Teil dieser Kirche ist dieser Auftrag auch für uns als EJW maßgebend. Aus diesem Grund wurde in der neuen EJW-Leitung der Ausschuss Geistliche Angebote und Theologie gegründet. Wir wollen diesen göttlichen Auftrag immer wieder in die EJW-Arbeit einbringen und unsere Arbeit anhand der Bibel reflektieren.

Der EKD-Ratspräsident fährt in seiner Bibelarbeit noch fort: Damit die Kirche ihrem Auftrag gerecht werden kann, muss sie neue Ausstrahlungskraft gewinnen. Diese Ausstrahlungskraft gewinnt sie durch eine Rückbesinnung auf die Quellen ihrer Identität: auf die Bibel. Wer sonst könnte uns unseren Auftrag wieder bewusst machen und die notwendige Ausstrahlungskraft verleihen, als Gott selbst. Gott liebt seine Schöpfung und er ruft alle Menschen zu sich. Lasst uns mutig und leidenschaftlich davon erzählen!

David Prinz, Leiter des Ausschusses Geistliche Angebote und Theologie, langjähriger Pfadfinderführer und Student der evangelischen Theologie in Marburg

PS: Die Kongressbeiträge sind auf Internetseite des Kongresses als Text und Video abrufbar. www.dynamissio.de
 

Die Kongressbeiträge sind auf Internetseite des Kongresses als Text und Video abrufbar. www.dynamissio.de

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