„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1) - Angedacht Text März ...

02.03.2020 |

von Anne Kampf, Pfarrerin der Bethaniengemeinde, Frankfurt - Frankfurter Berg.

Liebe Leserin, lieber Leser,

jetzt, im Frühling, wenn wir unseren Blick zum Himmel richten, haben wir vielleicht das Glück, einen Schwarm Kraniche zu sehen. In perfekter Formation und mit lautem Geschrei ziehen sie Richtung Norden oder Nordosten. Was gibt den Vögeln eigentlich die Zuversicht, dass es in Skandinavien, Polen oder Weißrussland genauso viel zu Fressen gibt wie in Spanien oder Frankreich? Woher kommt ihre Hoffnung, dass dort Sommer sein wird? Woher die Gewissheit, dass sie überleben werden?

Die Fastenaktion der evangelischen Kirche steht in diesem Jahr unter dem Motto: „Zuversicht! Sieben Wochen ohne Pessimismus“. Die Idee hinter „7 Wochen Ohne“ ist nicht, auf Dinge wie Alkohol, Schokolade oder Fernsehen zu verzichten, sondern es ist mehr ein innerliches Fasten, ein Nachdenken über bestimmte Gewohnheiten oder ein Abschalten negativer Gedanken. In diesem Jahr also: Zuversicht statt Pessimismus.

Manchen fällt das leicht, weil sie sich ohnehin als Optimisten bezeichnen. Sie haben oft erfahren, dass das Leben es gut mit ihnen meint. „Das klappt schon“, oder „Wir schaffen das“ ist ihre Haltung. Andere dagegen tun sich schwer mit der Zuversicht. Sie haben vielleicht andere Erfahrungen gemacht: „Immer trifft es mich“, „In meinem Leben läuft alles schief.“ Da nützt es gar nichts, wenn jemand sagt: „Sei doch nicht so pessimistisch!“

Wie kann uns der Glaube helfen, optimistischer und damit auch entspannter, gelassener und fröhlicher zu werden? Wie können die Optimist*innen den Pessimist*innen helfen, feste Zuversicht zu gewinnen? 

Der Schreiber des Hebräerbriefes versucht den Gemeinden Mut zu machen: „Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Hebräer 11,1) Die jungen Gemeinden hatten gegen Ende des ersten Jahrhunderts offenbar nicht die Erfahrung gemacht, dass mit dem neuen Glauben das Leben immer leicht und schön wäre. Weil sich ihr Alltag kaum verändert hatte, fingen sie an, an der Guten Nachricht von Jesus Christus zu zweifeln. Der Brief will sie ermahnen, dranzubleiben.

Die Kraniche sind ein schönes Bild für das „Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“: Sie sehen nicht, was vor ihnen liegt. Sie fliegen jedes Jahr in dieser Spannung zwischen Hoffen und Zweifeln hin und her, zwischen „noch nicht sehen“ und „bestimmt bald wissen“, zwischen Winter und Sommer. In solcher Spannung leben auch wir als Christinnen und Christen, die optimistischen wie die pessimistischen.

Doch wir haben einen inneren Kompass, wie die Kraniche. Der innere Kompass ist der Glaube an Gottes Versprechen: Er geht mit uns durch den Winter und in den Frühling hinein – und eines Tages wird Sommer sein! Dann werden wir sehen, was wir bisher nur hoffen können.  

Anne Kampf

Pfarrerin der Evangelischen Bethaniengemeinde Frankfurt

 

 

 

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