Erwischt! - Angedachttext von Meike Sohrmann, Pfarrerin in Mörfelden-Walldorf

09.08.2017 |

Heute Morgen habe ich mich wieder dabei erwischt… Ich habe mein Horoskop gelesen. Ich weiß, das ist Quatsch. Trotzdem blättere ich die Seite auf und suche: Skorpion. Da ist es! Ich lese und erfahre, wie ich den Morgen unkonzentriert und grübelnd verbringen werde, wie dann nachmittags der Mond im Krebs mich sehr konstruktiv werden lässt, und außerdem, dass mich meine Freunde lieben, wollen und brauchen…ein größerer Lottogewinn steht heute leider nicht in Aussicht.

Ich merke, wie ich bereits beim Lesen die Augen verdrehe und trotzdem… es interessiert mich, davon zu lesen, was die Zukunft wohl bringen könnte. Was gibt es über mich und die Welt zu wissen? Womit kann ich rechnen und auf was muss ich mich einstellen?

Im Konzeptionsausschuss des EJW Hessen lesen wir keine Horoskope. Ähnliche Fragen beschäftigen uns dort trotzdem: Was wird die Zukunft wohl bringen? In welche Richtung wird es für das EJW in den nächsten Jahren wohl gehen? Was kommt auf uns zu und welchen zukünftigen Fragen und Entwicklungen müssen wir uns in der christlichen Kinder- und Jugendarbeit stellen? Wir versuchen dabei das EJW als Ganzes zu betrachten. Nicht nur die Zukunft, sondern auch die Vergangenheit und der Ist-Zustand sind deshalb immer wieder Thema.

Es gibt einen Bibelvers, den ich besonders gerne höre. Denn auch er erzählt von der Zukunft. Ganz einfach und in der Übersetzung von Luther liegt er mir trotz seines altertümlichen Satzstellung wie ein Stück Zuhause im Ohr. Er lautet: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Der Vers steht im Matthäusevangelium und ist ein Versprechen, das Jesus uns am Ende seines Lebens gibt. Seine Worte sichern zu, worauf wir uns als Menschen in der Zukunft verlassen können.

Auch jetzt wieder, wenn ich mir diesen Vers nochmal laut vorlese, stelle ich fest: Ich kann diese Worte gut hören. Denn anders als mein heutiges Horoskop wirkt es nicht beliebig oder zusammengewürfelt, sondern diese Worte klingen absolut und bedingungslos. Gott ist bei mir. Gestern, heute und bis ans Ende der Welt: Bei allen Aufgaben und Veränderungen, die vor uns stehen, sogar wenn der Mond im Krebs steht.

Meike Sohrmann,  Pfarrerin in Mörfelden – Walldorf – Mitglied im EJW Vorstand

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