Der Stern - Angedacht Text von Pfarrer Joachim Winkler aus der Frankfurter Bethaniengemeinde

01.12.2018 |

An Fenstern hängen sie, in Stroh oder bunt blinkend. Oft wird einer auf der Spitze des Christbaums angebracht. Gerne werden sie auch als Plätzchen gebacken – und gegessen. Der Stern gehört zu Weihnachten wie Maria, Josef und das Kind in der Krippe, wie Engel und Hirten.

Ein Stern ist es nämlich, der in der Weihnachtsgeschichte Menschen zu dem neugeborenen Kind bringt. Für die Menschen, die ihm folgen, gibt es unterschiedliche Bezeichnungen. Sie werden Sterndeuter, Astrologen, Magier, Herren, Könige oder die Weisen aus dem Morgenland genannt. Das Entscheidende ist aber: sie erblicken diesen Stern, geben ihm Bedeutung und folgen ihm. Wahrscheinlich haben zwar viele Menschen diesen Stern gesehen. Aber die meisten haben ihm keine Bedeutung gegeben. Die Männer aus dem Osten aber erkennen ihn als Stern für einen neugeborenen König.
In der Weihnachtsgeschichte geht es immer wieder darum genau hinzuschauen. Was unscheinbar wirkt, erweist sich als etwas Besonderes und Bedeutendes: ein Kind in einem Stall ist der Erlöser; Schafhirten sind die ersten (menschlichen) Verkünder des Evangeliums und ein Stern am Himmel ist das Zeichen für den neugeborenen Herrscher. Es sind kleine Dinge, das scheinbar Unscheinbare, das Weihnachten ausmacht.

Wer für sich den einen besonderen Stern entdeckt hat, der freut sich und folgt ihm. Doch was hat solche Strahlkraft für uns? Was lockt uns heraus? Was lässt uns aufbrechen? Vielleicht ist es ein besonderer Mensch, das gemeinsame Tun oder eine tolle Idee. Du bist mein Stern …

Ich sehe zwar oft viele Sterne. Ich schaue von einem zum anderen. Aber sie haben keine Bedeutung für mich. Oder ich weiß nicht, wem ich folgen will. Es wäre schön, einen Stern zu haben, der mich leitet; ein Stern, der mich begeistert und in Bewegung bringt; ein Stern, der mir Orientierung gibt. Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg, …

Der Stern von Bethlehem verheißt einen neuen König. Keinen Herrscher, der starke Worte macht; keinen, der vor allem nur an sich selbst denkt. Kein Zyniker, kein Hetzer.- Ein Friedenskönig ist verheißen! Erwartet wird Frieden: Frieden für die Menschen im Krieg, Frieden für die Verfolgten, Frieden für uns alle.

In der christlichen Tradition wird der Stern mit Jesus Christus gleichgesetzt. Er ist der Stern, den man vor Sonnenaufgang am hellsten am Himmel sieht: der Morgenstern. Der Morgenstern kündigt den Morgen an. Er deutet darauf hin, dass das Dunkle vorbei ist und der Tag beginnt. So gibt er uns Hoffnung: das Licht kommt zu uns mit seinem Glanz. Ganz langsam durchdringt das Licht die Nacht.

Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern! Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

Pfarrer Joachim Winkler, Evangelischen Bethaniengemeinde Frankfurt

 

« zurück