Auf Schatzsuche – Begabungen bei mir und Anderen entdecken – Gemeinde entwickeln - ein Angedacht-Text von Propst Oliver Albrecht

08.11.2018 |

Eine Veranstaltung vom Netzwerk „Lust auf Gemeinde“ am Sa., 10. Nov. 2018 in Butzbach.

Von 10 – 17 Uhr, in der „Alten Turnhalle“, August-Storch-Str. 7, 35510 Butzbach.

Mehr Infos: bit.ly/2Qebn6x

Ein Angedacht – Text von Propst Oliver Albrecht zum Thema:

Ich bitte Sie sich einmal Folgendes vorzustellen: Sie treten einen neuen Job an; als

junger Mensch das erste Mal im Beruf, oder nach langer Zeit ein Wechsel in einen völlig

neuen Bereich; vielleicht auch nach langer Pause ein Wiedereinstieg, Erziehungszeit,

Arbeitslosigkeit.

Die Situation in jedem Fall: Sie sind ziemlich aufgeregt. Sie wissen nicht, ob das, was Sie

können. genug ist. Sie haben keine Vorstellung von der Arbeitsatmosphäre.

Ich sage Ihnen: Sie werden drei Dinge brauchen:

1. Jemand, der Ihnen sagt, wie‘s läuft. Der Ihnen die Arbeitsbedingungen, die Regeln, auch

die ungeschriebenen, erklärt. Damit Sie einen klaren Plan entwickeln können; aber auch

nicht in mehr Fettnäpfchen reintreten als unbedingt nötig. Jemand, der sagt, was Sie

sollen und was Sie besser nicht tun sollten.

2. Jemand, der Ihnen die Angst nimmt. Der Ihnen sagt, was Sie dürfen und genauso wichtig,

dass Sie Fehler machen dürfen. Denn nur wenn diese Angst und Unsicherheit weggehen,

können Sie wirklich gut sein. Und das ist die beste Motivation: Du darfst loslegen, Du

darfst sogar Fehler machen, aber du darfst auch dein Bestes geben.

3. Jemand, der Ihnen sagt: Du kannst es, Du bist gut genug, Du hast das doch gelernt und

schon klasse hingekriegt. Vertrau Dir, Du kannst Dir vertrauen, weil Andere, weil ich Dir

vertraue. Du kannst es. Wir schaffen das, weil Du gut bist und weil Du nicht allein bist.

Das alles drei brauchen Sie bei Ihrem neuen Job:

1. Die Regeln, die Prinzipien: Was Sie eigentlich sollen.

2. Die Motivation, die Erlaubnis: Was Sie dürfen.

3. Die Bevollmächtigung. die Ermutigung: dass sie es auch können.

Der größte Job Ihres Lebens ist das Leben selbst und da ist Gott alles drei für Sie:

- als Vater, als Schöpfer macht er Ihnen die Regeln und die Prinzipien klar.

- als Sohn, als Jesus Christus, motiviert er Sie, loszulegen, nimmt Ihnen die Angst vor

Fehlern, macht sie frei und offen.

- als Heiliger Geist traut er Ihnen was zu, sagt, Du kannst das, Du bist gut, und: du bist nicht

allein.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes — das ist keine verstaubte

religiöse Formel, das ist das Beste, was Sie sagen können, wenn‘s los geht. In einem neuen

Job und jeden Morgen beim Aufstehen.

Da sagt Gott nämlich zu Ihnen: Du sollst, Du darfst, Du kannst.

Ich jedenfalls will wissen, was ich soll, was meine Aufgabe, mein Plan ist. Ich mag nicht nur

rumstehen. Ich will auch wissen, was ich darf. Ich will mein Bestes geben. Aber ich will auch

Fehler machen dürfen. Und schließlich: ich brauche Menschen, die mir was zutrauen.

Jemand, der sagt: Du, wir schaffen das.

Und deshalb brauche ich den Vater, den Sohn, den Heiligen Geist. Ich brauch diesen

einmaligen Gott, der mir auf dreifache Weise begegnet:

Den Vater, den Schöpfer dieser Welt, der in mein Leben einen Plan gelegt hat, den ich

verstehe, der gut für mich ist. Den Vater im Himmel, der uns Gebote und Regeln gegeben

hat, die ein gutes Leben möglich machen unter uns Menschen.

Den Sohn, Jesus Christus, den brauche ich fast noch mehr. In Jesus hält Gott an mir fest,

wenn ich nicht gut genug bin für die guten Gebote des Vaters. Jesus, der mich motiviert,

morgen weiter zu machen, auch wenn‘s heute so richtig danebengegangen ist.

Und dann: Den Heiligen Geist, das ist, wie wenn ich Gott in mir spüre: eine Kraft, ein

Vertrauen. Da glaubt etwas in mir, da schwingt etwas in mir, eine Stimme und dann weiß ich:

ich kann das. Ich soll, ich darf, ich kann: Vater, Sohn, Heiliger Geist: Wer in diesem Namen anfängt, wird seinen Job gut machen.

Eine Veranstaltung vom Netzwerk „Lust auf Gemeinde“ am Sa., 10. Nov. 2018 in Butzbach.

Von 10 – 17 Uhr, in der „Alten Turnhalle“, August-Storch-Str. 7, 35510 Butzbach.

Mehr Infos: bit.ly/2Qebn6x

Und jetzt kommt das Entscheidende:

Die drei Weisen, wie Gott uns begegnet, das haben wir - denke ich - verstanden.

Dreieinigkeit, so habe ich es eben betont.

Aber man kann‘s auch anders betonen: Dreieinigkeit und das erst ist die ganze Wahrheit. Es

ist ein und derselbe Gott, der mit einer Stimme zu uns spricht:

Du sollst - du darfst - du kannst: und wenn Gott spricht, erklingt das gleichzeitig. Und wie in

einem Dreiklang erklingt mehr als die Summe der Einzeltöne. Ein Dreiklang ist etwas Neues,

Ganzes. Nur für unser kleines Menschenhirn notieren wir es als drei Einzeltöne.

Ein Gott spricht zu uns mit einer Stimme, und in dieser Stimme erklingen drei Töne. Den

Grundton legt der Vater. In unserer menschlichen Mittellage hören wir Jesus. Und ein fast

engelhafter Oberton: das ist der Heilige Geist.

Du sollst — du darfst — du kannst.

Aber manche Menschen fummeln am himmlischen Mischpult herum und drehen einen Ton

zu laut auf. Das klingst schrecklich und kann einen richtig kaputt machen:

Da dreht einer gnadenlos das „Du sollst“ auf Maximum. Wir hören nur noch Gesetze,

Gebote, Vorschriften und wissen nicht mehr, was wir eigentlich dürfen.

Und allmählich vergessen wir auch, was wir können. Wir werden ängstlich, versuchen Fehler

zu vermeiden und — machen gerade deswegen alles falsch. Und je mehr wir falsch machen,

desto sicherer sind wir: ich kann eigentlich gar nichts.

Bis es einem zu viel wird. Und er das „Du sollst“ abdreht, dafür ertönt jetzt mit voller

Lautstärke: „Du darfst‘. Das hört sich erst mal viel besser an. Alles klingt erlaubt. Fehler

werden verziehen, bevor sie gemacht werden, keine Regel ohne Ausnahmen, und

irgendwann: ohne Ausnahme keine Regel mehr.

Erst roch es nach Freiheit. Aber jetzt ist dicke Luft. Denn wenn es keine Regeln mehr gibt,

nur noch „du darfst“, wenn alles erlaubt ist, setzen sich einfach die Stärksten durch. Regeln,

Gebote, sollen die Schwachen schützen. Eine gute Regel ist ein Schutzzaun, damit der

Fuchs nicht den Hasen frisst.

Und dann hilft es auch nicht, dass „Du kannst“ laut zu drehen. Im Gegenteil: verunsicherten

Menschen einzureden, „du kannst das schon‘, kann gefährliche Folgen haben. Sie werden

sich und anderen Schaden zufügen. Wer vergessen hat, was er soll und was er darf und

trotzdem meint, er könnte das schon, wird die Karre gegen die Wand fahren.

Sie müssen wissen, was Sie sollen, was Sie dürfen und was Sie können: Alles drei, und

nichts ohne das Andere.

Bei zu strengen Regeln bleibe ich klein und ängstlich. Oder explodiere irgendwann vor Wut.

Bei zu vielen Freiheiten lerne ich meine Grenzen nicht kennen und tu mir später mal sehr

weh - und anderen auch.

Und wenn‘s zu viel Menschen gibt, die herausfordern und bewundern, was ich alles kann,

werde ich entweder arrogant und ungenießbar, oder - weil‘s nicht stimmt und ich eigentlich

nichts richtig kann - verlogen und manipuliert.

Alles drei gehört dazu. Und wenn‘s ineinandergreift, zusammenklingt zum wirklich göttlichen

Dreiklang aus „ich soll - ich darf - ich kann“, dann wird‘s gut mit mir und Ihnen.

Ich brauch einen über mir, der den Überblick hat und das Ziel nicht aus den Augen verliert,

Ich brauch einen neben mir, der mich an der Hand oder sogar in den Arm nimmt, auch

wenn‘s schlecht läuft. Ich brauch einen oder etwas in mir, um zu spüren, was ich kann, was in mir steckt an Begabung und Kraft.

- Der über mir ist: Gott, der Vater, der Schöpfer der Welt,

- Der neben mir ist: der Sohn, Jesus Christus, mein Menschenbruder.

- Der in mir ist: der Heilige Geist, mein Mutmacher. € L-1- L1

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, mehr als eine religiöse Formel,

sondern das Geheimnis, dass Ihr Leben so richtig gut wird.

Amen

Propst Oliver Albrecht

Propstei Rhein-Main

PS: Herzliche Einladung zu der „Lust auf Gemeinde“ – Veranstaltung:

Auf Schatzsuche – Begabungen bei mir und Anderen entdecken – Gemeinde entwickeln

Eine Veranstaltung vom Netzwerk „Lust auf Gemeinde“ am Sa., 10. Nov. 2018 in Butzbach.

Von 10 – 17 Uhr, in der „Alten Turnhalle“, August-Storch-Str. 7, 35510 Butzbach.

Mehr Infos: https://bit.ly/2Qebn6x

Für Kirchenvorsteher*innen und alle ehrenamtlichen Mitarbeitenden, die mehr über Ihre Begabungen erfahren möchten

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